Anwendungen für Inneren 
 
     und Äußeren Frieden

Die drei Harmonie-Kreise des Aiki-Do

Das Praktizieren des Aiki-Do zielt darauf hin, Aiki in drei unterschiedlichen Felder der Manifestation zu etablieren: Dem Selbst, in zwischenmenschlichen Beziehungen und mit der Natur, dem Kosmos.

Erster Kreis der Harmonisierung: Das Selbst

Als Erstes beginnt man bei sich selbst. Niemand kann erwarten, harmonische Beziehungen zu haben, ohne erst selbst immer wieder Aiki in sich erreichen zu können. Alle Teile der Persönlichkeit müssen ins Gleichgewicht kommen: Die Bedürfnisse des Körpers, des Intellekts und des Gemüts (Seele) müssen respektiert und erfüllt werden. Auch müssen die eigenen egozentrischen Reflexe (kleines ICH) beherrscht, hin zu einem Bewusstsein des Selbst (großes ICH) überschritten und die Verbundenheit mit (dem) Anderen erkannt werden.

Zweiter Kreis der Harmonisierung: Beziehungen

Ab hier betritt man den Kreis der Beziehungen. Erst die Beziehung zu einem selbst, indem man fähig wird, die verschiedenen inneren Stimmen/Zustände (Gedanken, Gefühle und Empfindungen) zu kategorisieren und zu priorisieren (Selbststeuerungsfähigkeit), sowie sensibel und achtsam zu werden, damit man subtile Zeichen wahrnehmen kann, jene von Innen (Selbst), wie jene von Außen (Andere). Am Aiki-En sind diese Fähigkeiten eine Voraussetzung, um ein Mitglied der Integralen Lebensgemeinschaft zu werden.

Im Aiki-Do ist es verboten, die Techniken mit Muskelkraft auszuführen. Aiki-Do ist im Wesentlichen eine Entspannungsübung und das Studium von Beziehungen. Physische Kraft (für das persönliche Gefühl, dem Leben mit Stärke begegnen zu können) wird evtl. in der Rolle als Angreifer im Aiki-Do Training, sicher aber in der Natur durch die Arbeit mit der Erde in den Gärten (En) des Aiki-En  erworben.

Dritter Kreis der Harmonisierung: Die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten

Dies eröffnet den dritten Harmoniekreis: die Harmoniegesetze der Natur, sowohl durch aktive Tätigkeiten, als auch durch kontemplative Praxis in der Natur zu erfahren.  Darüber hinaus ist der Schutz der Umwelt, die Erhaltung von Arten und der Aufbau und die Pflege von Biotopen ein wichtiger Pfeiler des Lebens am Aiki-En.


Für sich den Kampf zwischen den Kulturen beenden --- Tradition, Moderne und Post-Moderne integrieren

Aiki-Do als Integrale Lebenspraxis

Aiki-Do ist eine perfekte Intergrale Lebenspraxis (ILP). Körper, Verstand, Geist und Bewusstsein werden zusammen trainiert, gestärkt und verfeinert. Egal, wie hoch die Perspektiven oder wie tief das Bewusstsein entwickelt ist (siehe unten), mit Aiki-Do ist es absolut nicht nötig, andere Künste oder Trainingsmethoden hinzuzunehmen oder zu wechseln, um weiter zu kommen, in seiner horizontalen wie vertikalen Entwicklung. Das Üben mit unterschiedlichen Partnern dient stets als "reality check" und hilft, ein Licht der Erkenntnis auf persönliche Schatten zu werfen und sie zu heilen.

O-Sensei Morihei Ueshiba war ein erleuchteter Mensch und er sagte, er habe das Aiki-Do nicht entwickelt, sondern er habe es entdeckt! Daher ist Aiki-Do im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten  von den höchsten kosmischen Prinzipien abgeleitet. Aiki-Do wird dadurch selbst zu einem Ausdruck und zugleich zu einem Behälter höchster Liebe und Weisheit. Durch das konsequente Praktizieren offenbart sich dies dem Übenden nach und nach.

Das Aiki-Prinzip ging aus den erleuchteten und universalen psychologischen kosmischen Bewusstseinsebenen hervor und bewegte sich spiralförmig durch das gesamte "Reich des Göttlichen" (Bezeichnungen laut O-Sensei; psychologisch: Der Kausale Rang) und durch das "Reich des Verborgenen" ( Der subtile Bewusstseins-Rang, das Psychische) hindurch, bis hinunter zum "Reich des Manifesten" (Der Konkrete Bewusstseins-Rang, das Physische) hinab. Da Aiki-Do eine wahre Kampfkunst ist, ist hier der Ort, wo Anfänger üblicherweise starten. Der Mensch ist aber ein duales Wesen mit einer physischen (Körper) und einer psychischen (Seele) Seite. Indem er als Aiki-Doka, "Weg-Mensch", sich der Entfaltung seiner ganzen Persönlichkeit widmet, arbeitet er beständig an der Entwicklung seiner physischen und psychischen Fähigkeiten.

Als Erstes wird die physische und mentale Präsenz der Übenden gestärkt um mit voller Effektivität handelnd auf das eigene Leben einwirken zu können. Nachdem die psychologischen Perspektiven der ersten Person (gesundes Ich) und der zweiten Person (gesunde Beziehungen) geklärt sind, erweitert sich der Fokus auf die Fähigkeit zur Selbst-Reflexion und voller Leistungsfähigkeit (Selbstbewusstsein) im Physischen.

Nachdem man volle physische Präsenz erreicht hat, gelangt man im Reich des Verborgenen, bzw. im subtilen Rang (Psyche, Seele) zur vierten Person Perspektive (Kontext-Bewusstsein). Die technische Ausführung des Aiki-Do erweitert sich von bloßer Effizienz hin zur Suffizienz, indem man die Kraft nicht mehr nur physisch-mechanisch, sondern (Ki-) energetisch aus dem "Wir-Feld" von Uke (Angreifer) und Tori (Verteidiger) ableitet. Eine große innere Ruhe breitet sich aus. Im Weiteren tritt nach und nach die Wichtigkeit der Abgrenzung des eigenen Selbst (Selbstkonzept) in den Hintergrund (Konstrukt-Bewusstsein, fünfte Person Perspektive). Durch die spirituellen Praktiken des Aiki-Do, wie Misogi (spirituelle Reinigung) und Kototama (Intonationen), Chinkon Kishin (Energie-Atem-Übungen), erreicht man eine Art "Universales Bewusstsein" (sechste Person Perspektive). Hier wird das eigene Ego (Konkret), bzw. Selbst (Subtil) vollkommen transzendiert, indem man die Illusionen (Aktualität) erkennt und mehr und mehr über die wahre Natur allen Seins (wahre Realität) illuminiert wird.

Das ist die Bedeutung von O-Senseis Aussagen, "Aiki-Do ist ein Weg zum Göttlichen" und "Aiki-Do ist Budo (Kampfkunst) in Form eines Gebets.


Leben am Aiki-En: Sich selbst erden und zentrieren --- das Leben ins Gleichgewicht bringen

O-Sensei Morihei Ueshiba sagte: "Um Aiki herzustellen muss man nur genau in der Mitte der Schwebenden Himmelsbrücke stehen. Man darf sich dabei weder zu weit nach Unten, dem Materialismus, zuneigen, noch sich zu weit nach Oben, der Spiritualität entgegenstrecken." Dies entspricht wohl der im Leben sehr schwer zu erreichenden fünften Person Perspektive (s.o.).

Am Aiki-En wird daher mindestens auf das konkrete Einwirken auf das Individuum, die Gemeinschaft und die Gesellschaft ebenso viel Wert gelegt, wie auf die regelmäßige spirituelle Praxis. Aber die Kern-Praxis besteht in der subtilen Wahrnehmungsfähigkeit, nach Innen (aus einem selbst), ebenso nach Außen (aus der Gemeinschaft oder der Gesellschaft). Diesen Wahrnehmungen gegenüber immer eine sofortige Aufmerksamkeit zu zeigen, ermöglicht, eine klare innere und äußere Struktur, eine persönliche Herzens-Wärme und kollektive Verbundenheit und Wohlwollen als Dauerzustand zu halten. Das ist Gegenwärtigkeit.

Auf diese Art, könnte das Aiki-En wie ein Paradies (Raku-En) auf Erden werden. Man erlangt volle Authentizität und Integrität durch physische Präsenz, Achtsamkeit und einen Einenden Geist. - Und erkennt hoffentlich eines Tages, dass das Paradies ein Bewusstseinszustand ist, welchen man willentlich jederzeit anstreben kann.